Sowiport - auf den Punkt gebracht

Dezember 16, 2007

Seit kurzem ist Sowiport online, ein neues Fachprotal für die Suche nach sozialwissenschaftlicher Literatur. Hier die ersten (Negativ- und “Gemischt-”)Eindrücke. Im zweiten Teil der Bewertung werden demnächst die postiven Aspekte folgen.

  • Sowiport und Marketing: Ausser in der Liste des Berliner Arbeitskreises Information wurde bisher nicht auf das neue Angebot hingewiesen: weder in Inetbib, Netbib, noch in sozialwissenschaftlichen Informationsplattformen.
  • Zukunft der CSA-Daten: Die CSA-Datenbanken sind elementarer Bestandteil bzw. Erfolgsfaktor des Angebots. Die dahinter stehende Nationallizenz umfasst den Zeitraum bis 2009. Nach Ablauf der DFG-Förderung verlöre sowiport wesentlich an Aktualität und Attraktivität.
  • Die Attraktivität von sowiport besteht u.a. in der Einbindung unterschiedlicher bibliographischer Datenbanken, deren Funktionsumfang (bei CSA-DB) in Gänze indes erst nach einer Anmeldung unter nationallizenzen.de zur Verfügung steht. Wer hier die Erstanmeldung „bewältigt“, weiss einfachere Registrierungsverfahren zu schätzen. Für alle anderen bleibt die Hoffnung auf den baldigen Einsatz von Shibboleth.
  • Bertelsmann-Stiftung: Leider geht weder in Sowiport noch auf den Seiten von Bertelsmann hervor, weshalb gerade die Datenbank der Bertelsmänner einen Mehrwert für sowiport bietet. Einige konkretere Angaben wären dienlich, zumal bisherige Projekte der Stiftung im Bibliotheksbereich wenig Bezugspunkte erkennen lassen, warum jetzt aktiv ein sozialwissenschaftliches Portal gefördert wird.
  • RSS: Leider bietet weder die News-Seite (mit bisher wenig Meldungen), noch die Such-/Trefferseite die Möglichkeit an, RSS-Feeds zu abonnieren. Dieses Muss sollte zumindest in einer weiteren Ausbaustufe kommen, um die Standards kommerzieller Anbieter als auch zunehmend virtueller Fachbibliotheken und OPACs zu erreichen.
  • Personalisierungsfunktionen: Auch im Bereich der Personalisierung sind die Entwicklungen in den letzten Jahren voran geschritten. Attraktive Angebote müssen heute Alertdienste, Abspeichern von Suchergebnissen in persönlichen Konten, etc. anbieten.
  • Farbgestaltung: Über Geschmack lässt sich bekanntermaßen streiten…
  • Usability: Die Thesaurus-Navigation ist intuitiv. Allerdings wäre eine Verknüpfung zwischen Deskriptor im Thesaurus und dahinter stehender Treffermenge im Datenpool für ungeübte Nutzer hilfreich.
  • Suchwörter: Leider sind die gesuchten Begriffe in der Ergebnisanzeige nicht hervorgehoben dargestellt. Gerade bei einer Überall-Suche kann dies sehr nützlich sein, zumal wenn die standardmäßige Treffereinstellung nach Relevanz (nach Titel) zugunsten der chronologischen Darstellung verändert wird.
  • Content: Ein quick and dirty-Test zu „demographischer wandel“ und „osteuropa“ führt in Sowiport zu 3 Treffern, in Google Scholar zu 240. Vernachlässigen wir jetzt einmal die geringe Aussagekraft von 240 Treffer in GS, so erscheint für einen schnellen Überblick zum Thema ggf. das PDF „Demographischer Wandel in Mittel- und Osteuropa“ von C.Pohl relevant zu sein, der im Volltext in GS angeboten, indes noch nicht einmal als vollständig frei zugängliche bibliographische Angabe in Sowiport. Es bleibt zu hoffen, dass es in Sowiport mittelfristig gelingt auch frei zugängliche und relevante Quellen in großem Umfang darzubieten. Laut eines Vortrages wird hier gerade im Rahmen von SSOAR –SocialScience Open Access Repository an diesem Ziel gearbeitet.